Der Preis

Der Preis wird einmal pro Jahr durch die Marktgemeinde Grassau vergeben, um die Arbeit von Autoren zu würdigen. Ins Leben gerufen wurde er im Jahr 2018 unter Bürgermeister Rudi Jantke, initiiert vom Kulturbeauftragten Grassaus, Robert Höpfner, in Zusammenarbeit mit der in Grassau lebenden Schriftstellerin Angeline Bauer und dem Buchhändler und Autor Klaus Bovers. Die Preisgelder der ersten drei Gewinner betragen 1000, 500 und 300 Euro. Zusätzlich wird während einer festlichen Gala eine Preistrophäe überreicht.

Der ungewöhnliche Name des Preises – ‘Grassauer Deichelbohrer‘ – bezieht sich auf eine hölzerne Rohrleitung, durch die im 19. Jahrhundert von Reichenhall über Traunstein Salzsole zur Saline in Rosenheim gepumpt wurde. So eine historische Pipeline, bestehend aus Fichtenstämmen, die der Länge nach durchbohrt wurden (‘Deicheln‘), lief auch durch Grassau. Eine Pumpstation, die dazu nötig war, kann man heute bei Grassau noch besichtigen.

Das Durchbohren eines Fichtenstammes mit einem sogenannten ‘Deichelbohrer‘ war ein anspruchsvolles Handwerk – und wie man dabei das Holz durchdringen musste, ist es auch beim Schreiben notwendig, in die Tiefe zu gehen und Durchblick zu schaffen. So setzt Grassau die literarische Form der Kurzgeschichte symbolisch mit einer Deichelbohrung gleich und lässt sie zur Grassauer ‘Kultur-Pipeline’ werden. Anderenorts nennt man eine Deichel auch Teuchel beziehungsweise Deuchel oder in der Schweiz Tüchel oder Pipen. In Sachsen wird eine solche Leitung als Röhrfahrt bezeichnet, in Franken als Röhrenfahrt und im Harz als Wasserreise, da Deicheln auch als Wasserleitungen dienten.